Worum geht es?
Der Turnaround Tuesday ist eines der bekanntesten saisonalen Muster am Aktienmarkt. Der Name beschreibt genau was passiert: Nach einem schwachen Wochenbeginn, typischerweise einem Montag mit fallenden Kursen. Am Dienstag kommt es häufig zu einer Gegenbewegung nach oben, einem „Turnaround".
Die Strategie nutzt diese statistische Tendenz: Man kauft in die Schwäche hinein, wenn der Markt zu Wochenbeginn nachgibt, und setzt darauf dass die Erholung am Dienstag folgt.
Warum funktioniert das?
Hinter dem Muster stecken nachvollziehbare Gründe aus dem Verhalten der Marktteilnehmer:
- Das Wochenende erzeugt Unsicherheit. Über Samstag und Sonntag können Anleger nicht handeln. Negative Nachrichten oder einfach Nervosität führen dazu, dass viele am Montag vorsichtshalber verkaufen.
- Die Übertreibung korrigiert sich. Oft ist der Montagsabverkauf emotional übertrieben. Wenn am Dienstag klarer Kopf einkehrt und keine echten schlechten Nachrichten folgen, kaufen Anleger die günstigeren Kurse zurück.
- Institutionelle steigen ein. Große Investoren nutzen schwache Montage gezielt, um zu günstigeren Kursen einzukaufen. Das verstärkt die Erholung am Dienstag.
Der Filter „Montag unter der 34-Tage-Linie" stellt sicher, dass nur echte Schwächephasen gehandelt werden, nicht jeder beliebige Montag. Das macht die Strategie selektiver und robuster als die einfachste Form, bei der jeder schwache Montag gehandelt würde.
So funktioniert die Strategie Schritt für Schritt
Montags-Schwäche prüfen
Schließt der DAX am Montag unter seiner 34-Tage-Linie, ist die Schwäche bestätigt und das Setup aktiv.
Einstieg zum Montagsschluss
Du kaufst zum Schlusskurs am Montag in die Schwäche hinein, bevor die typische Erholung einsetzt.
Ausstieg am Mittwoch früh
Du hältst die Position über den Dienstag und verkaufst am Mittwochmorgen, nach der erwarteten Gegenbewegung.
Wichtige Hinweise
Bei aller Eingängigkeit des Musters, ein paar Punkte solltest du kennen:
- Es gibt verschiedene Turnaround-Tuesday-Ansätze. Manche kaufen jeden schwachen Montag, andere nutzen Schwellenwerte oder verkaufen schon am Dienstag. Die hier gezeigte Variante folgt dem Ansatz von André Stagge (Montag unter der 34-Tage-Linie, Verkauf Mittwoch früh), eine der bekanntesten Umsetzungen im deutschsprachigen Raum.
- Es braucht die Schwäche als Auslöser. Ohne schwachen Montag kein Setup. Die Strategie funktioniert nicht jede Woche, sondern nur wenn die Bedingung erfüllt ist.
- Eine Absicherung nach unten ist sinnvoll. Manchmal setzt sich die Schwäche fort statt zu drehen. Ein Stop-Loss begrenzt den Verlust falls der Turnaround ausbleibt.
- Indizes eignen sich besser als Einzelaktien. Das Muster ist auf breite Märkte (z.B. DAX, S&P 500) statistisch stabiler als auf einzelne Aktien.
- Moderate, aber konstante Erträge über lange Zeiträume. Mit Ø +0,31% pro Trade und einer Trefferquote von 51,5% ist sie keine Rendite-Rakete, sondern erfordert Disziplin und viele Trades. Ihr Wert liegt in der kurzen Marktzeit und dem statistisch belegten Vorteil über 513 Trades.
Für wen eignet sich die Strategie?
Der Turnaround Tuesday ist für jeden zugänglich, weil das Grundprinzip einfach zu verstehen ist und nur ein klares Setup pro Woche entsteht. Sie eignet sich besonders für alle, die nicht ständig den Markt beobachten können, aber ein wiederkehrendes Muster mit nachvollziehbarer Logik diszipliniert handeln möchten. Ideal auch als Baustein in einem Strategie-Mix.