Diese Strategie arbeitet ohne festen Stop-Loss. Ein- und Ausstieg folgen klaren, festen Regeln. Die Ausstiegsregel begrenzt selbst, wie lange du im Markt bist. Wer zusätzliche Absicherung möchte, kann optional einen eigenen Stop-Loss ergänzen; das ist Geschmackssache und gehört nicht zur Grundregel. Mehr dazu auf der Seite Risiko und Moneymanagement.
Worum geht es?
Die 16-Wochen-Strategie wurde vom Physiker Thomas Gebert entwickelt und 2016 in seinem Buch veröffentlicht. Das Magazin Focus Money kürte sie damals sogar zur „besten Börsenstrategie der Welt". Die Idee: Im DAX gibt es einen wiederkehrenden 16-Wochen-Rhythmus, in dem sich bestimmte Phasen über Jahrzehnte hinweg auffällig stark entwickelt haben.
Gebert teilt die Zeit in fortlaufende 16-Wochen-Zyklen ein (unabhängig vom Kalenderjahr). Innerhalb jedes Zyklus sind die Wochen 13, 14 und 15 die starke Phase. Hier investiert die Strategie in einen DAX-ETF. Da der Zyklus durchläuft, tritt diese Phase etwa dreimal pro Jahr auf. Den Rest der Zeit bleibt die Strategie an der Seitenlinie.
Du bist nur etwa ein Drittel der Zeit investiert und erzielst trotzdem eine Trefferquote von fast 69 %. Die Stärke liegt nicht in maximaler Rendite, sondern in der hohen Trefferquote bei moderatem Risiko (Drawdown −20,1 %). Das macht sie zu einer verlässlichen Ergänzung in einem Strategie-Mix.
Warum funktioniert das?
Ehrlich gesagt: Eine eindeutige Erklärung gibt es nicht, und das sollte man offen aussprechen. Gebert hat das Muster rein statistisch in den historischen DAX-Daten entdeckt (zurückgerechnet bis 1959). Es ist eine Marktanomalie ohne klar belegbare Ursache.
Mögliche Erklärungsansätze sind saisonale Kapitalflüsse rund um das Frühjahr, Quartalsenden und die Dividendensaison. Bewiesen ist davon aber nichts. Genau deshalb sollte man die Strategie nicht als alleinige Wahrheit sehen, sondern als einen statistischen Vorteil unter mehreren.
So funktioniert die Strategie Schritt für Schritt
Auf die starken Wochen warten
Die Strategie wartet auf die starke Phase des 16-Wochen-Zyklus (Zyklus-Wochen 13–15). Diese kommt etwa dreimal pro Jahr. Den Rest der Zeit bleibt das Kapital unangetastet.
In den DAX investieren
Zu Beginn der starken Phase (Zyklus-Woche 13) wird in einen DAX-ETF investiert. Der Einstieg erfolgt am Montag der Woche.
Nach der Phase wieder aussteigen
Am Ende von Zyklus-Woche 15 (Freitag) wird die Position geschlossen, nach drei Wochen Haltedauer. Das Kapital steht wieder für andere Strategien bereit.
Was du beachten solltest
- Es ist eine Beimischung, keine Haupt-Strategie. Über die Jahre bringt sie weniger Gesamtrendite als ein dauerhaftes DAX-Investment, dafür bei einem Bruchteil des Risikos. Ihre Stärke ist die Kombination mit anderen Strategien.
- Keine bewiesene Ursache. Das Muster ist statistisch, nicht ökonomisch erklärbar. Es kann sich theoretisch jederzeit abschwächen.
- Short lohnt sich nicht. Eine getestete Short-Variante in den schwachen Wochen verschlechterte das Ergebnis. Die reine Long-Variante ist überlegen.
- Überschaubare Handelskosten. Es fallen nur wenige Trades pro Jahr an (~3 Kauf/Verkauf-Zyklen), sodass Kosten kaum ins Gewicht fallen.
Stärken und Schwächen
- Hohe Trefferquote 68,9%, fast 7 von 10 Trades im Plus
- Nur ~⅓ der Zeit investiert, Kapital bleibt oft frei verfügbar
- Wenige Trades pro Jahr (~3 Zyklen), niedrige Transaktionskosten
- Klarer, kalenderbasierter Zyklus: planbar und einfach umsetzbar
- Maximaler Drawdown −20,1%, temporäre Verluste möglich
- Lange Wartezeiten zwischen den Kaufphasen (mehrere Monate)
- Datenbasis 119 Trades seit 1990, solide, aber nicht riesig
- Kein Stop-Loss: man hält die Woche auch durch schlechte Phasen
Für wen eignet sich die Strategie?
Die 16-Wochen-Strategie ist für jeden zugänglich, der sein Kapital nur in statistisch günstigen Phasen dem Markt aussetzen möchte. Sie eignet sich besonders als Beimischung in einem Strategie-Mix, während das Kapital außerhalb der starken Phasen für andere Ansätze frei bleibt. Wer maximale Rendite sucht, ist mit einer offensiveren Strategie besser bedient; wer Sicherheit und kurze Kapitalbindung schätzt, findet hier einen verlässlichen Baustein.